Mittlerweile sind 27 Spieltage in der Beletage des deutschen Fußballs für unseren RBL absolviert. Und wer hätte vor der Saison gedacht, dass es für RB Leipzig im April 2017 noch um nichts Geringeres als um die Teilnahme an der UEFA Champions-League geht? Doch bevor die ersten europäischen Reisen in die größten Stadien Europas geplant werden können, muss die Englische Woche mit dem dritten Dreier in Folge gegen Leverkusen abgeschlossen werden.

Mein Fußballerlebnis beginnt schon vor den Stadiontoren. Nette Menschen von der Grenze zu den Niederlanden haben sich in Leipzig eingefunden, um sich nicht nur die Sehenswürdigkeiten der schönsten Stadt der Welt anzusehen, sondern einem Fußballspiel unserer Roten Bullen beizuwohnen. Nach einem kurzen Plausch vor unserem zweiten Wohnzimmer wurde noch schnell der Bus der Roten Bullen vor dem Stadion in Empfang genommen. Dann ging es hinein.

Ein sehr schweres Heimspiel wird es werden, darüber waren sich alle einig. Deshalb war die Unterstützung von außen mehr denn je gefragt. Prächtige Kulisse vor ausverkauftem Haus, zum 10. Mal in dieser Saison. Unter den 42.558 Zuschauern gesellte sich schon zum bereits zweiten Mal der Bundestrainer Jogi Löw höchstpersönlich, der wahrscheinlich neben Timo Werner auch auf Willi Orban und Dauerbrenner Diego Demme ein Auge geworfen hat. Taurin gegen Aspirin oder Heldenstadt gegen Farbenstadt. Auf die Farbbeutelattacke vom Hinspiel in Leverkusen ließen sich die organisierten Fans im B-Block eine kreative Choreographie einfallen. Bei Einlauf der Mannschaften wurde der gesamte B-Block in ein Farbenmeer eingetaucht – für eine bunte Kurve in der Heldenstadt.

Das Spiel unserer Mannschaft begann mit Tempo. Die ersten Minuten machten deutlich: Hier kann heute was gehen. Schon in der 3. Minute flankt Werner auf Sabitzer, der am gut parierenden Bernd Leno scheitert und zur Ecke klären kann. Immer wieder erspielt sich Leipzig Chancen, einige davon auch sehr aussichtsreich. Kurz gesagt: Leipzig hat die Anfangsphase voll im Griff und lässt Leverkusen kaum ins Spiel kommen. Nach fast 40-minütiger, offensiver Abwesenheit der Werkself gab es nun auch die erste gute Chance für Leverkusen durch Julian Brandt. Zuvor haben die Leipziger einige Chancen nicht in ein Tor ummünzen können, sodass es nach temporeichen 45 Minuten unentschieden in die Pause ging. Eine Halbzeit, die durch einen schönen Spielfluss ohne viele Unterbrechungen geprägt war.

„Auf geht’s Leipziger Jungs, schießt ein Tor für uns“ hallte es von den prall gefüllten Rängen der Red Bull Arena, und wieder war die volle Unterstützung der Fans zu spüren. Volle Kraft voraus und für die nächsten 45 Minuten nochmal alles reinwerfen. RBL und Leverkusen kamen mit viel Energie aus der Pause. Die 2. Hälfte schien eine vielversprechende Halbzeit zu werden. Die erste Torannäherung gehörte Timo Werner, bevor auch die Werkself langsam immer besser ins Spiel kam und sich gute Chancen herausspielen konnte. Mittlerweile war das Spiel sehr ausgeglichen mit Chancen auf beiden Seiten. 68 Minute: Topchance für Timo Werner, der das 1:0 auf dem Fuß hat, Hilbert enteilen konnte aber 10 Meter vor dem Tor verzieht. Das Spiel wird in den folgenden Minuten immer mehr zum Schlagabtausch zwischen zwei Mannschaften, die um jeden Meter ackern.

Hasenhüttl vollzieht den ersten Wechsel und bringt für den Schotten Oliver Burke, der am Freitag seinen 20. Geburtstag gefeiert hat, den wieder genesenen Yussuf Poulsen. Poulsen, der nach dem Spiel in Mainz sagte, er sei noch nicht ganz bei 100 Prozent. Kann die Offensivkraft noch einmal neuen Schwung bringen? Der Spielverlauf wird es zeigen. Die Hoffnung auf einen Heimsieg schwand in der 88. Spielminute, als unser Kapitän Willi Orban nach Gelb-Rot vom Platz musste. Egal, der Schiri hat entschieden, auch wenn über die gesamte Spieldauer beim Schiedsrichter Kampka aus Mainz keine einheitliche Linie erkennbar war und viele strittige Situationen (Einwürfe, Ecken) die Gemüter der Leipziger Fans erhitzten.

Na gut, eine ausgeglichene Partie in der 2. Halbzeit, noch 2 Minuten offiziell zu spielen, das alles in einer englischen Woche und nur noch mit 10 Mann. Ein Remis, mehr schien heute nicht möglich, doch dann kam alles anders!

90.+ 2: Sabitzer spielt das runde Leder nach vorne auf Forsberg. Der Topvorbereiter der Bundesliga legt quer auf Poulsen, der den Ball ins Tor grätscht. Ein Jubelsturm im Stadion entbricht, und die Ansage des Stadionsprechers geht im Jubel fast unter. Sicher auch ein besonderer Moment für Emil Forsberg, der im Gedenken an die Anschlagsopfer von Stockholm mit Trauerflor auf dem Feld stand.

1:0 Endstand. Ein ganz wichtiger Sieg für den Club und ein noch wichtigerer Sieg auf den Weg nach Europa. Der Sieg fühlt sich an wie der Dreier bei der Heimspielpremiere vom 10. September 2016 gegen Borussia Dortmund, aber auch wie gegen Darmstadt in 2015, als das Dach des Stadions wegzufliegen drohte. Auch Bernardo bedankte sich bei den RBL-Fans für die geile Atmosphäre und attestierte diese Leistung von den Rängen „unfassbar laut nach dem verdienten Siegtor“ (Zitat: Bernardo).

Durch den Sieg gegen Leverkusen und den zeitgleichen Niederlagen von Dortmund (4:1 in München) und Hoffenheim (2:1 in Hamburg) konnten wir den 2. Tabellenplatz festigen. Doch als wäre dies nicht genug, verkündete RB Leipzig fast zeitgleich mit dem Schlusspfiff die Verpflichtung des Torhüters Yvon Mvogo von den Young Boys Bern. Außerdem wird RB Leipzig Goldpartner bei der Ausrichtung des Mitteldeutschen Olympiaballs, welcher am 7. Oktober diesen Jahres im unseren Stadion stattfinden wird. Wir heißen hiermit die Sportlerinnen und Sportler herzlich willkommen im schönsten Stadion der Welt.

Nach dem Spiel ging es mit der Straßenbahn und zahlreichen gut gelaunten RB-Fans nach Hause. Doch auch Autofahrer sind in der Euphorie des Sieges unkonzentriert und übersehen auch schon mal die Straßenbahn beim Linksabbiegen. Folge: Alle Fußballfans aussteigen und zusehen wie es weitergeht. Auf dem Weg zum Zug traf man immer wieder glückliche Fans, die bestimmt noch lange von diesem Dreier träumen. Im Zug war die Euphorie auch zu spüren. Durch Fangesänge wurde der Zug zum Wippen gebracht.

Nach diesem Spieltag sind wir wieder einmal mehr glücklich darüber, welche besondere Erlebnisse uns diese Mannschaft von RBL in der zurückliegenden Zeit geschenkt hat. Nächste Woche begrüßen wir ganz herzlich den Mitaufsteiger in der Heldenstadt und hoffen auf weitere Punkte.

Toller Tag, tolle Mannschaft, tolle Menschen und ein Geburtstagsständchen für Tim Thoelke.

Einmal Leipzig, immer Leipzig!

Und so sahen die anderen Experten das Spiel:

  • Spielbericht bei rb-fans.de
  • Spielbericht beim rotebrauseblogger
  • Nachhören im Archiv auf bullenfunk.fm (leider kein Direktlink an die richtige Stelle möglich für den unglaublichen Torjubel direkt zu 2:00:00 springen)